Lieder werden wahr (2005-2006)

Mut2005Und wieder gibt es einen einschneidenden Wechsel. Wahrscheinlich haben die vielen Konzerte des letzten Jahres dann doch Spuren hinterlassen. Drummer Frank jedenfalls wird sesselhaft und steigt nun bei unserer Booking Agentur als Booker ein. Paul bekommt einen Job bei einer Musikschule und Juliane will Schauspielerin werden.

du
Es ist wie immer eine Angstpartie, als wir dann wieder neue Musiker suchen. Doch auch diesmal werden wir schnell fündig und bekommen mit Ulf Jacobs, Diana Schmitz und Lars Cölln professionelle Musiker, die auch menschlich gut zu dem Rest der Bande passen. So sind wir für die kommenden 70 Konzerte in diesem Jahr bestens gerüstet.


Am 8. März erscheint unsere erste DVD Mutology. Die DVD ist eine Sammlung verschiedener Einblicke in unser Mutabor-Leben. Neben Fernsehaufzeichnungen gibt es auch Clips und Dokumentationen. Produziert wird das Ganze von unserem Lichtmann Martin Müncheberg. Die DVD Release Party findet auch am 8. März im damaligen Berliner Magnet-Club statt.

lmEin unvergessliches Highlight ist die Reise Anfang Mai mit 300 Fans nach Amsterdam. Wir haben seit längerer Zeit schon die Idee das Lied „Mal wieder nach Amsterdam fahr´n...“ wahr zu machen. Aufhänger ist ein Konzertangebot in dem bekannten Klub „Melkweg“ in Amsterdam. Martin Müncheberg, der zu dieser Zeit wieder bei uns ist, hat Kontakte zu Besetzerszene in A-Dam, die unter anderem eine ehemalige Fertigungshalle mit Bürogebäuden in der Danziger Bucht besetzt haben. Die Halle bietet genug Platz, so das man dort ein Lager für mehr als 300 Leute aufbauen kann. So entsteht die Idee mit unseren Fans zusammen eine Reise nach Amsterdam zu organisieren. Das ist natürlich ein ordentlicher Organisationsaufwand. Angefangen von der Planung der Reise mit drei großen Reisebussen für die Fans, dem Aufbau und der Konzeption des Camps bis hin zur logistischen Organisation dieses Vorhabens. Besonders Helen, Axel und Martin sind in dieser Zeit voll am rotieren.

z











Aber auch die uns vorher völlig unbekannten Leute von der Danziger Bucht halten Wort und bauen in die Halle ein kleines Idyll mit Küche, Toiletten, Duschen und hängen an den Wänden riesige Wandmalereien die mit Schwarzlicht angeleuchtet werden und besonders Nachts dem Ganzen eine phantastische Aura geben. Der Boden ist mit frischem Stroh bedeckt, so dass die Leute darauf ihre mitgebrachten Igluzelte aufbauen können. Es gibt sogar noch eine Extrahalle mit kleiner Bühne für Spontankonzerte - die Freakstage. Es schliessen sich immer mehr Bekannte und Freunde diesem Vorhaben an und so entwickelt es sich zu einer wirklichen Reise ins Makana und wird von uns dann auch final als "Makanatour" bezeichnet. Es gibt Workshops, Yoga, Massagekurse und Konzerte auf der Freaksatge. Auch unsere dafür ins Leben gerufene Volksküche funktioniert bestens und bereitet zweimal am Tag das Essen für ca. 330 Leute. Am Ende sind die Leute mehr bei uns im Makana-Dorf als in der Stadt unterwegs. Die Bewohner aus der Danziger Bucht organisieren auch eine alternative Stadtrundfahrt und führen unsere Leuten zu besetzten Kirchen, Botschaftsgebäuden und Parks. Überall war Party. Amsterdam ist zu dieser Zeit wirklich ein Eldorado für die alternative Szene.
Großen Bewunderung und Dank auch für die mitreisenden Fans, die das Miteinander in unserem Dorf die ganzen drei Tage so freundlich und harmonisch machen. Keine Abstürze oder Ausfälle geschweige denn andere Probleme. Jeder achtet auf den anderen, räumt seinen Müll weg und ist freundlich gesonnen. Unser mit ca. 500 Leuten gut gefülltes Konzert im Klub „Melkweg“ sprüht vor Euphorie und Ekstase. Es ist erstaunlich, was so eine Reise-Atmosphäre bewirken kann. Diese Amsterdam-Reise ist eines - vielleicht sogar das - schönste Erlebnis mit der Mutabor-Familie. Weitere Einzelheiten und Fotogalerien zur Reise gibt es hier>>> in unserem Blog.

Es gibt wieder mal Zuwachs innerhalb der Mutabor Familie. Anitas zweite Tochter Vica erblickt ebenfalls im Mai das Licht der Welt.

Im Oktober fahren wir dann für ein Konzert nach Prag ins legendäre Palac Akropolis und spielen im Vorprogramm der dort bekannten Band Tleskac. Es kommen erstaunlich viele Fans aus Deutschland für dieses Konzert extra nach Prag und bescheren uns eine vertraute und begeisterte Stimmung. Danach ziehen wir noch durch diverse Klubs und Kneipen bis dann irgendwann der Film reißt...


2006 soll ein besonderes (Schicksals) Jahr werden. Trotz ausverkaufter Shows und wachsenden Zuschauerzahlen, ist die Luft raus und erste Erosionserscheinungen machen sich bemerkbar - leider auch Spannungen innerhalb der Band. Es ist wie in einer langen Beziehung, wenn man sehr dicht aufeinander hockt, irgendwann braucht man seinen Abstand, um sich selbst treu zu bleiben.

abDeswegen entschliessen wir uns mit einer 40-Konzerte-Tour und der EP Willkommen in der Schablone, die am 24. Februar erscheint, vorerst Abschied zu nehmen. Eine Schablone von irgendwas wollen wir nicht sein, dann lieber Bruch und dem Geist der Verwandlung vertrauen. Es gibt zu dieser Zeit keinerlei Pläne die Band irgendwann wieder zu reaktivieren.


Die Abschieds-Tour startet am 10. März in Bielefeld. Die Konzerte sind sehr emotional und haben etwas Magisches. Erwähnt werden muß das Konzert auf der Fusion. Da fliegen doch tatsächlich unzählige Kuscheltiere bei dem Song „Makana“ auf die Bühne. Das wir das noch erleben dürfen! Natürlich schwingt auch immer ein bisschen Melancholie mit und wir vermögen es selber noch nicht zu fassen, dass dies unsere letzten Konzerte sein würden. Besonderes Highlight ist dann unser Abschlusskonzert am 07.07.2006 auf dem Gelände des Yaam in Berlin.

Wir haben extra einen Zeltplatz für die Fans die aus der gesamten Republik anreisen, eingerichtet und eine große Bühne auf dem Hof aufstellen lassen. Das Konzert soll mit 8 Kameras + Schwenkkran gefilmt werden. Außerdem sind fast alle früheren Mutabor-Musiker mit von der Partie - nicht nur im Backstage sondern auch in einzelnen Zeitreise-Blöcken live auf der Bühne. Großer Bahnhof.
Alles ist bestens organisiert, doch dann zieht  sich am Morgen des Konzerttages der Himmel zu und es braut sich ein ordentliches Unwetter zusammen. Pünktlich zum Einlass regnet es wie aus Kübeln und in kürzester Zeit ist der Platz vor der Bühne knietiefunter Wasser. Es scheint als will der Himmel dieses letzte Konzert von uns nicht zulassen. In ganz Berlin herrscht Katastrophenalarm und die Leitungen bei der Feuerwehr sind alle blockiert. So können wir von dort keine Hilfe erwarten. Wir hocken im Backstage und schauen fassungslos auf die steigenden Wassermassen. Vor dem Einlass warten 2000 Fans unter Regenplanen, so das die Fahrbahn davor zum Teil blockiert ist. Es hilft nichts die Tore müssen auf.
11
Geistesgegenwärtig verteilten die Leute vom Yaam Eimer und leere Plastikflaschen an die Konzertbesucher um damit das Wasser vom Hof zu befördern. Bei den Wassermassen und dem anhaltenden Regen ein sehr optimistisches Unterfangen. Doch von Frust oder Unlust keine Spur, die Konzertbesucher ziehen sich die Schuhe aus, bilden Menschenketten und machen sich dran den Hof des Yaam sozusagen per Hand leer zu schöpfen. Ein Bild wie irgendwo in Afrika. Es wird sogar gesungen. Anscheinend hat dieser Einsatz den Wettergott dann doch beeindruckt, denn ca. 20 Minuten vor dem Beginn des Konzertes hört es endlich auf. Immer mehr Leute packen nun mit an und nur so gelingt es den Fans dieses Konzert zu retten. Was für ein Geschenk am Ende. Dementsprechend ist die Energie des Konzertes. Euphorie pur, Stagediving ohne Ende und Gänsehaut bis zum Schluss. Wir sind auf der Bühne wie in Trance. Bei dem Song Fragezeichen gibt es dann auch noch ein Feuerwerk, was irgendjemand am Spree-Ufer zündete. Unglaublich. Nicht zuletzt zeigt dieses Abschlusskonzert, dass man als Gemeinschaft sogar die Naturgewalten bezwingen kann. Unsere Fans sind die stärksten! Was für ein Abschluss!

Das Konzertereignis ist auf DVD verewigt. Amazegenalo erscheint im Januar 2007.

aa
Die Mutabor-Familie: Markus,Tilmann,Helen,Axel, Marcus,Frank, Paul, Pay, Anita, Diana,Lars,Toni,Marco,Ulf

Zweite große Mutabor-Pause.

 
Top